IP-Schutzarten erklärt: was die zwei Ziffern bedeuten
Die IP-Schutzart (International Protection, Norm DIN EN 60529) zeigt mit zwei Ziffern, wie gut ein Gerät gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Die erste Ziffer reicht von 0 bis 6 und steht für Berührungs- und Staubschutz, die zweite von 0 bis 9 für Wasserschutz. Eine normale Steckdosenleiste für innen hat IP20, für draußen brauchst du mindestens IP44.
Auf einen Blick
- Erste Ziffer
- Staub, 0 bis 6
- Zweite Ziffer
- Wasser, 0 bis 9
- Innen üblich
- IP20
- Außen mindestens
- IP44
Inhalt
So liest du die IP-Schutzart
Die Kennzeichnung besteht aus den Buchstaben IP und zwei Ziffern, zum Beispiel IP44. Je höher die Ziffer, desto stärker der Schutz. Für die Auswahl einer Mehrfachsteckdose für außen ist das die wichtigste Angabe auf der Verpackung.
- Erste Ziffer: Schutz gegen das Eindringen fester Fremdkörper und gegen Berühren gefährlicher Teile.
- Zweite Ziffer: Schutz gegen Wasser, von Tropfwasser bis zum dauerhaften Untertauchen.
- Buchstabe X: Steht ein X statt einer Ziffer, etwa IPX4, wurde diese Eigenschaft nicht geprüft oder nicht angegeben. Das bedeutet nicht automatisch „kein Schutz“, aber du kannst dich nicht darauf verlassen.
Erste Ziffer: Schutz gegen Fremdkörper
| Ziffer | Schutz gegen | Beispiel |
|---|---|---|
| 0 | kein Schutz | offene Bauteile |
| 1 | Fremdkörper über 50 mm | Handrücken |
| 2 | Fremdkörper über 12,5 mm | Finger, normale Steckdosenleiste |
| 3 | Fremdkörper über 2,5 mm | Werkzeug, dicke Drähte |
| 4 | Fremdkörper über 1 mm | dünne Drähte, kleine Teile |
| 5 | staubgeschützt | Staub dringt nur in unschädlicher Menge ein |
| 6 | staubdicht | kein Staubeintritt |
Zweite Ziffer: Schutz gegen Wasser
| Ziffer | Schutz gegen | Praxis |
|---|---|---|
| 0 | kein Schutz | nur trockene Räume |
| 1 | senkrecht fallendes Tropfwasser | Kondenstropfen von oben |
| 2 | Tropfwasser bei bis zu 15° Neigung | leicht schräger Einbau |
| 3 | Sprühwasser bis 60° zur Senkrechten | Regen bei Windstille |
| 4 | Spritzwasser aus allen Richtungen | Regen, Balkon, Terrasse |
| 5 | Strahlwasser aus einer Düse | Abspritzen mit dem Gartenschlauch |
| 6 | starkes Strahlwasser | schwere See, kräftiger Wasserstrahl |
| 7 | zeitweiliges Untertauchen | bis 1 m Tiefe für 30 Minuten |
| 8 | dauerhaftes Untertauchen | Bedingungen legt der Hersteller fest |
| 9 (9K) | Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung | Industrie, Fahrzeuge |
Ein Detail, das oft übersehen wird: Bis Ziffer 6 schließt eine höhere Stufe die niedrigeren ein. IPX7 und IPX8 beschreiben dagegen Untertauchen und schließen Strahlwasser nicht automatisch ein. Geräte, die beides können, tragen deshalb oft zwei Angaben wie IP65/IP67.
Welche Schutzart wo nötig ist
| Ort | Empfohlene Schutzart | Hinweis |
|---|---|---|
| Wohnzimmer, Büro, Schlafzimmer | IP20 | Standard für Innenleisten |
| Küche | IP20 | Abstand zu Spüle und Wasserkocher halten |
| Keller, Garage, Werkstatt | IP20 bis IP54 | bei Staub oder Feuchte IP44 oder IP54 |
| Überdachte Terrasse, Balkon | IP44 | Klappdeckel geschlossen halten |
| Garten, frei stehend | IP44 bis IP54 | erhöht aufstellen |
| Bodennähe, Pfützenrisiko | IP67 | oder Verbindung in Schutzbox |
Für Außenleisten fasst der Ratgeber Mehrfachsteckdose außen wasserdicht die Auswahl zusammen. Wofür die häufigste Außenschutzart genügt, zeigt IP44-Steckdosenleiste.
Sonderfall Badezimmer
Im Bad gelten zusätzlich die Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701. Bereich 0 ist das Innere von Wanne und Dusche, Bereich 1 der Raum darüber, Bereich 2 ein Streifen von 60 cm um Bereich 1. Fest installierte Geräte brauchen in Bereich 0 mindestens IPX7, in den Bereichen 1 und 2 mindestens IPX4. Wird mit Strahlwasser gereinigt, etwa in öffentlichen Bädern, ist IPX5 nötig.
Steckdosen sind in den Bereichen 0 bis 2 grundsätzlich nicht zulässig, mit wenigen Ausnahmen wie Schutzkleinspannung. Eine mobile Steckdosenleiste ändert daran nichts, auch wenn sie IP44 hat. Was im Bad erlaubt ist, steht unter Mehrfachsteckdose im Badezimmer. Neue Steckdosen plant und setzt eine Elektrofachkraft.
Schutzart ist kein Freibrief: IP44 schützt eine Leiste nicht vor einer Pfütze, und auch IP67 ersetzt keinen Fehlerstromschutzschalter. Draußen und in Feuchträumen gehört jede Steckdose an einen Stromkreis mit FI (30 mA).
Typische Missverständnisse
- „Wasserdicht“ im Produkttitel: Ohne IP-Angabe ist das nur Werbung. Verlass dich auf die Ziffern, nicht auf den Begriff.
- Schutzart mit offenen Deckeln: Die Angabe gilt im bestimmungsgemäßen Zustand. Offene Klappdeckel oder ungeeignete Stecker heben den Schutz auf.
- Kabel vergessen: Das Gehäuse kann IP44 haben, das Kabel muss trotzdem für draußen taugen. Dafür ist H07RN-F die richtige Wahl, wie der Vergleich H07RN-F vs. H05VV-F zeigt.
- Schutzart und Schutzklasse verwechselt: Die Schutzklasse beschreibt den Schutz vor elektrischem Schlag, nicht vor Wasser. Schutzklasse I nutzt den Schutzleiter, also den Schutzkontakt der Schuko-Steckdose. Schutzklasse II ist doppelt isoliert und kommt mit dem Eurostecker aus. Schutzklasse III arbeitet mit Schutzkleinspannung. Eine Leiste kann also Schutzklasse I und trotzdem nur IP20 haben.
- Verbindungsstellen: Wo zwei Kabel zusammengesteckt werden, entsteht die schwächste Stelle. Eine Outdoor-Steckdosenbox schützt solche Übergänge.
Schnellcheck vor dem Kauf: Steht die Schutzart auf dem Gehäuse selbst und nicht nur in der Shop-Beschreibung? Seriöse Hersteller drucken sie auf Typenschild oder Gehäuse. Fehlt sie dort, behandle die Leiste wie IP20.
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Häufige Fragen
Was bedeutet IP20 bei einer Steckdosenleiste?
IP20 heißt: Schutz gegen Berühren mit dem Finger und gegen Fremdkörper über 12,5 mm, aber kein Schutz gegen Wasser. Das ist der übliche Standard für Leisten in trockenen Innenräumen.
Ist IP65 besser als IP67?
Nicht in jeder Hinsicht. IP65 schützt gegen Strahlwasser, IP67 gegen kurzes Untertauchen. Beide sind staubdicht, und nur eine Doppelangabe wie IP65/IP67 deckt beides ab.
Was heißt IPX4 auf einer Verpackung?
Das X zeigt, dass der Schutz gegen Fremdkörper nicht geprüft oder nicht angegeben wurde. Die 4 steht für Spritzwasserschutz aus allen Richtungen.
Brauche ich im Keller eine spezielle Schutzart?
In einem trockenen Keller genügt IP20. Ist der Raum feucht oder staubig, etwa als Werkstatt oder Waschkeller, ist eine Leiste mit IP44 oder IP54 die bessere Wahl.